[Rezension] Mordalpen von Walter Sohler

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Titel: Mordalpen
Autor: Walter Sohler
Erscheinungsdatum: 02. Juli 2014
ISBN-13: 978-3839216163
Preis: 11,99€ (TB) und 9,99€ (eBook)
Seitenzahl: 311
Genre: Satirischer Kriminalroman
Leseprobe: hier

Für Giovanni Forda könnte das Leben so schön sein. Wäre da nicht Heinrich Kerner, ein ehrgeiziger Immobilienmakler, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das kleine Dorf des Bauers in eine Tourismushochburg zu verwandeln. Regelmäßig kommt er bei Giovanni vorbei und unterbreitet ebendiesem verlockende Angebote. Der Bauer soll eine seiner Wiesen an Kerner verkaufen, um ihm den Bau eines neuen Golfplatzes zu ermöglichen. Doch Giovanni bleibt stur. Nie im Leben würde er seinen Grund an diesen Halsabschneider verkaufen. Als Kerner kurze Zeit später spurlos verschwindet, erscheint es nicht allzu weit hergeholt, dass Giovanni etwas mit dessen Verschwinden zu tun hat. Kommissar Delapozza wird auf den Fall angesetzt und ist der Lösung des Rätsels gefährlich nahe, als auch er wie vom Erdboden verschluckt scheint. Sein Nachfolger nimmt sich der Vermisstenfälle an und schon bald laufen die Ermittlungen in eine Richtung, die niemand hätte erahnen können.

 
Walter Sohler wurde 1967 in Kitzbühel in Tirol geboren. Der studierte Historiker arbeitet seit 1992 als Journalist und war in den vergangenen 14 Jahren als Chef vom Dienst bei Tageszeitungen in Innsbruck und Wien tätig. Zurzeit schreibt Sohler u. a. für Mitgliederzeitungen und PR-Magazine und lebt in Wien. Der Autor ist in den Alpen aufgewachsen, besuchte die Schule in Tirol und im Salzburger Land und verbrachte seine Studienzeit in Innsbruck. Er kennt vor allem die Kitzbüheler Alpen, das Gebiet der Hohen Tauern und das Inntal. Sein Hobby, das Wandern, aber auch berufliche Reisen führten ihn u. a. quer durch den Alpenraum: neben dem Bundesland Tirol nach Südtirol, Trient, Bayern, Südostfrankreich, in die Schweiz und in die alpinen Zonen Ostösterreichs. Mordalpen ist sein erster Roman.

Giovanni Forda:

Giovanni ist 36 Jahre alt und Bauer aus Leidenschaft. Er liebt seine 13 Kühe, die er liebevoll seine “Mädels“ nennt. Jede einzelne von ihnen hat er mit dem Namen einer Diva aus einer Oper bedacht, denn klassische Musik ist seine zweites Steckenpferd. Giovanni kümmert sich alleine um seinen Hof, da seine Ehefrau Lilly, mit der er lediglich 9 Monate verheiratet war, vor einigen Jahren schon mit einem Urlaubsgast durchgebrannt ist. Im Sommer treibt er seine Rinder aus dem Tal hoch auf die All und verbringt auch selbst dort die warme Jahreszeit. Doch dieses Jahr findet er auch außerhalb des Tals keine Ruhe.

Urban Simon:

Nach dem Tod seiner Ehefrau zieht es Kommissar Simon aus der Großstadt aufs Land. Bei der Alpenpolizei soll er die Nachfolge von Kommissar Delapozza antreten, der sich schon auf seinen wohlverdienten Ruhestand freut. Das Tal und seine Bewohner ist ihm nicht fremd, denn seine Großeltern lebten ebenfalls dort und er hat sie in seiner Kindheit gerne besucht. Noch ahnt er jedoch nicht, dass ihn der erste Fall in seinem neuen Einsatzgebiet vollkommen fordern und letzten Endes vor ein unlösbares Rätsel stellen wird.
 
Normalerweise bin ich kein großer Fan satirischer Romane. Besonders dann nicht, wenn es sich dabei um Kriminalromane handelt. Dennoch hat mir “Alpengrollen“ von Walter Sohler gut gefallen. Obgleich die Geschichte an einigen Stellen, wie befürchtet, sehr makaber gewesen ist, so hat sie mich dennoch fesseln können und immer wieder überrascht. Giovanni hat mich als Hauptprotagonist überzeugt. Nach außen hin scheint der Bauer keiner Fliege etwas zuleide tun zu können, doch in ihm schlummert eine Seite, die er selbst nicht an sich erwartet hätte. Er handelt berechnend und kaltherzig, stets auf das eigene, sowie das Wohl seiner Kühe bedacht. Dabei geht er sprichwörtlich über Leichen. Die gesamte Sache kommt nur durch einen dummen Zufall ins Rollen. Doch Giovanni fühlt sich bedrängt und sieht sich gezwungen zu handeln.

Ein kleiner Kritikpunkt, der mich etwas gestört hat, sind einige Textfehler. Denn in einem Moment heißt Kommissar Delapozza Paul, im nächsten Josef mit Vornamen. Im Klappentext wird er gar als Dalapoza bezeichnet. Und auch Frau Hilmer, ihres Zeichens ebenfalls Kommissarin bei der Alpenpolizei, wird an einem Punkt als Frau Helmer tituliert. Mag, sein, dass diese Kleinigkeiten nicht jedem auffallen, aber meinen Lesefluss haben sie leider gestört.

Die sprachliche Gestaltung ist unbeschwert und locker. Bei mehreren Gelegenheiten wird der Leser persönlich angesprochen, was den Bezug zum Buch noch verstärkt. Der Ton ist erwartungsgemäß sarkastisch. Die gesamte Geschichte besticht durch ihren beißenden, teilweise sehr makaberen Humor. Obgleich ich grundlegend eher kein Freund von satirischem Romanen bin, hat mir Walter Sohlers Ansatz dennoch gut gefallen. Die Handlung fließt dahin und immer, wenn es nicht schlimmer zu gehen scheint, setzt Giovanni noch einen obendrauf. Dabei sind die Formulierungen zumeist sehr derb, aber genau das hat den humoristischen Charakter des Romans noch unterstrichen. Alles in allem ein unterhaltsames Buch. Für mich hat sich der Genreausflug gelohnt :)

 


Liebe Grüße

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