[Rezension] Roter Mond von Benjamin Percy

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Titel: Roter Mond
Originaltitel: Red Moon
Autorin: Benjamin Percy
Verlag: Penhaligon
Erscheinungsdatum: 24. März 2014
ISBN-13: 978-3764531232
Preis: 19,99€ (Hardcover), 9,99€ (TB) und 15,99€ (eBook)
Seitenzahl: 640
Genre: Fantasy
Leseprobe: hier

Lobos – eine von Prionen hervorgerufene Krankheit spaltet die Welt, in der Patrick Gamble lebt. Sie wird bei direktem Kontakt durch das Blut des Infizierten übertragen. Die Betroffenen durchlaufen bei Krankheitsausbruch die Verwandlung in ein wolfsähnliches Wesen, das von Jagdlust getrieben ist. Mithilfe von Volpexx, eines Medikaments, das die Symptome unterdrückt, im Gegenzug jedoch hochgradig abhängig macht, ist ein friedliches Nebeneinander zwischen Menschen und Lykanern bisher möglich gewesen.

Viele Jahre haben die Lykaner als Einzelkämpfer gelebt, bist 1958 die Republik von Lupos gegründet worden ist. Dort, in einem kargen Landstrich zwischen Russland und Finnland, können die von Lobos befallenen Menschen in Frieden leben. Die gesamte Region steht unter der Aufsicht der amerikanischen Regierung und der US Army, die mögliche Aufstände sofort im Keim ersticken soll. Seit in der Republik große Uranvorkommen entdeckt worden sind, wird das Erz abgebaut und exportiert. Doch die Rebellionen gegen die amerikanische Besatzung werden immer häufiger. Zahlreiche Lykaner fordern Autonomie für die Republik. Immer wieder kommt es zu Terroranschlägen. Doch nun droht die Lage vollkommen zu eskalieren. Die Welt befindet sich im Krieg und jeder Mensch kämpft für sich alleine – um sein Überleben.


Von wegen, wir sind alle gleich. Es wird wohl niemand behaupten, sein Hund hätte die gleichen Rechte wie er selbst. Die Natur hat das so festgelegt, nicht ich.
Roter Mond von Benjamin Percy, Zitat Seite 24
  

Benjamin Percy, geboren am 28. März 1979 in Eugene/Oregon, wuchs auf Hawai und im tiefsten Oregon auf. Er begann, Archäologie zu studieren, wechselte aber rasch zum Kreativen Schreiben. Nach zwei vielbeachteten Erzählbänden wagte er sich mit „Wölfe der Nacht“ erstmals an einen Roman. Benjamin Percy ist verheiratet, hat einen Sohn und lehrt Creative Writing an der Iowa State University.


Patrick Gamble:

Gemeinsam mit seinem Vater, dem Biochemiker Keith Gamble, lebt Patrick in Kalifornien. Er geht dort zur Schule, doch als sein Dad eingezogen wird, um in der Republik Lupos in seiner Position als Sergeant die dort gelagerten Rohstoffe für Amerika zu sichern, ändert sich sein Leben von einem Tag auf den anderen. Patrick soll ein Jahr bei seiner Mutter, einer Maklerin aus Portland leben. Damit ist er jedoch alles andere als einverstanden. Doch auf dem Flug kommt es zu einem verheerenden Zwischenfall, der die gesamte amerikanische Gesellschaft aufs tiefste erschüttert.


Claire Foster:

Claire Foster lebt mit ihren Eltern ein vollkommen normales Leben, obwohl sie selbst eine Lykanerin ist. Nur schwer kann sie sich mit diesem Erbe zurechtfinden und unterdrückt ihren inneren Wolf, so gut es nur geht. Sie will nicht auffallen, geht Schwierigkeiten aus dem Weg und möchte ihre Heimatstadt am liebsten verlassen, um aufs College zu gehen. Aus ihrem Nest zu entfliehen und die Welt kennenzulernen, das ist Claires größter Wunsch. Doch auch ihr Leben ändert sich schnell, als ihre Eltern brutal ermordet werden.


Früher hat sie mit ihrem Vater Krähen gezählt, auf Bäumen, am Himmel, und er hat ihr einen alten irischen Reim dazu beigebracht: Eine bringt Trauer, zwei bringen Glück, drei ein Mädchen, vier einen Jungen, fünf Silber, sechs Gold, sieben eine Geschichte, die niemand je gehört hat.
Roter Mond von Benjamin Percy, Zitat Seite 103


Der Einstieg in den Roman ist leicht gemacht, alle Fakten zur Krankheit Lobos werden schnell geliefert, sodass ein umfassender Überblick sofort gewährleistet ist. Der naturwissenschaftliche Kontext ist gut recherchiert und wird glaubhaft in die Geschichte eingewoben. Es ist wirklich spannend, zuzusehen, wie der Autor fantastische Elemente mit moderner Wissenschaft und Medizin verflicht. Auch Elemente eines Politthrillers oder einer Dystopie lassen sich finden, sodass ein vollkommen neuer Genremix geschaffen wird. Dennoch ergänzen sich alle thematischen Bausteine sehr gut, sie greifen gelungen ineinander und machen die Erzählung insgesamt überaus lesenswert.

Das gesamte Buch gliedert sich in drei etwa gleich große Teile. Im ersten wird der Leser langsam an die Thematik herangeführt. Der Grundstein für die Handlung wird gelegt und die Hauptprotagonisten vorgestellt. Im Wesentlichen sind das drei grundverschiedene Charaktere, deren Leben durch Zufall miteinander verbunden ist. Dadurch wird dem Leser ein umfassender Überblick gegeben, denn jeder von Ihnen stammt aus einem anderen Umfeld. Patrick, als Junge, der sich nie sonderlich für die Politik interessiert hat, Claire, die gelernt hat, mit ihrem inneren Wolf zu leben, sowie Senator Chase, durch den die Geschehnisse auch von der politischen Seite aus beleuchtet werden. Bis auf Chase Williams sind alle Hauptfiguren absolute Sympathieträger und machen es dem Leser sehr leicht, sich in deren jeweilige Sichtweisen hineinzuversetzen und ihr Schicksal nachzuvollziehen. Zusätzlich tummeln sich noch viele weitere Nebencharaktere, die allesamt jedoch gut gezeichnet sind und die Geschichte durchaus bereichern.

Insgesamt ist die Spannungskurve des Romans sehr hoch. Benjamin Percy heizt das Geschehen durch kurze, prägnante Sätze auf und erzeugt somit einen regelrechten Sog. Nur zu Beginn wirkt der Schreibstil etwas abgehackt und holprig, dieser Eindruck legt sich jedoch während der Lektüre recht zügig wieder. Mit bildreichen Beschreibungen entführt er seine Leser und spart dabei auch nicht mit blutigen, grausamen Szenarien, die für Zartbesaitete durchaus nicht leicht zu verdauen sind. Zwischenzeitlich weist das Buch mit seiner enormen Seitenzahl auch einige Passagen auf, die sich etwas schleppend lesen lassen, doch immer wieder gelingt es dem Autor, seine Leser mit neuen spannenden Entwicklungen erneut zu bannen.

Leider hat dieser grandiose Roman jedoch eine Schwachstelle. Sein Ende. Die Erzählung ist bis auf die letzten hundert Seiten wirklich spannend, atmosphärisch dicht erzählt, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Doch dann nimmt der Autor selbst seiner Geschichte den Wind aus den Segeln. Zunächst scheint das Buch mit der endgültigen Zusammenführung der drei Hauptprotagonisten in einem absoluten Höhepunkt zu gipfeln, doch die Handlungsstränge werden flach zu Ende geführt, sie werden zu schnell abgehakt und beiseitegelassen, obwohl sie über viele Kapitel hinweg bis ins kleinste Detail beleuchtet worden sind. Viele Punkte werden offengelassen, manche Charaktere nicht noch einmal erwähnt, sodass die ganze Sache leider nicht richtig rund wirkt. Obwohl es bisher nicht geplant scheint, ist hier durchaus ein Ansatzpunkt für einen Nachfolgeroman zu erkennen, der direkt an das Ende dieses Romans anknüpfen könnte.

 


Liebe Grüße

2 Kommentare:

  1. Huhu Lisa,

    bei diesem Buch hört man wirklcih ne menge unterschiedlicher Meinugen. Manche schwärmen von dem Ende, manche sagen wie du, das es zu flach ist. Ich muss mein Exemplar mal in Angriff nehmen um zu schauen zu welcher Gruppe ich mich da geselle. Auch wenn derartig wiedersprüchliche Meinungen schon ein wenig abschrecken ^^

    Tintengrüße von der Ruby

    Tintengrüße

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    1. Hallo Ruby :)

      Ich hab das Buch ehrlich gesagt gelesen, ohne mir vorher eine andere Meinung einzuholen. So war es für mich einfacher, mir selbst eine Meinung zu bilden. Erst nachdem ich die Rezension geschrieben hatte, ist mir bewusst geworden, dass die Meinungen so auseinanderdriften! Aber mich hätten die vielen unterschiedlichen Meinungen sonst wohl auch etwas abgeschreckt :/

      Liebe Grüße

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