[Rezension] Der Glasmurmelsammler von Cecelia Ahern

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Originaltitel: The Marble Collector
Titel: Der Glasmurmelsammler
Autorin: Cecelia Ahern
Erscheinungsdatum: 18. November 2015
ISBN-13: 978-3810501523
Preis: 19,99€ (Hardcover), 9,99€ (TB) und 18,99€ (eBook)
Seitenzahl: 368
Genre: Roman, Belletristik
Leseprobe: hier




Als Fergus einen Schlaganfall erleidet und infolgedessen sein Gedächtnis verliert, weiß seine Tochter nicht, ob sich ihr Vater jemals wieder an all die schönen Momente in seinem Leben erinnern wird. Sabrina droht in ihren Alltagsproblemen unterzugehen und verliert sich dabei selbst immer weiter aus den Augen. Doch eines Tages stößt sie auf ein Puzzlestück aus der Vergangenheit ihres Vaters: er war leidenschaftlicher Murmelsammler und nun hält Sabrina seine wertvolle Sammlung in den Händen. Beim Durchgehen der sorgfältig geführten Inventarlisten bemerkt sie jedoch das ausgerechnet die wertvollsten Stücke fehlen. Sie scheinen spurlos verschwunden.

Einem spontanen Entschluss folgend macht sich Sabrina auf die Suche nach den fehlenden Murmeln. Auf ihre Reise in die Vergangenheit lernt sie ihren Vater immer besser kennen und entdeckt neue Seiten an ihm, die sie vorher nicht kannte. Sabrina deckt ein Geheimnis nach dem anderen auf und sieht sich mit dem Mensch konfrontiert, der ihr Vater einst war. Ihre Suche nach der Geschichte der Murmeln bringt Sabrina letzten Endes aber nicht nur Fergus näher, sondern auch ihr eigener Blick klärt sich, sodass sie erkennt, was ihr im Leben wirklich wichtig ist.


Fergus Boggs:

Mit 5 Jahren, nach dem Tod seines Vaters zieht Fergus‘ Familie von Schottland zurück nach Dublin, dem Geburtstort seiner Mutter Molly. Mit sechs Brüdern hat Fergus es oft nicht leicht und seine Familie ist zudem alles andere als wohlhabend. Er ist deshalb stets bestrebt, etwas Besseres aus seinem Leben zu machen. Als Fergus schließlich Gina heiratet, scheint dieser Wunsch in Erfüllung zu gehen. Doch seine Ehe läuft nicht besonders gut, sodass Fergus schlussendlich nur seine geliebten Murmeln den gewünschten Rückhalt geben können. Denn ihrem schillernden Charme ist er schon vor vielen Jahren erlegen und kann sich ihrer faszinierenden Klarheit noch immer nicht entziehen.

Sabrina Boggs:

Seit der Hochzeit mit Aidan und der Geburt ihrer drei Söhne scheint Sabrinas Alltag nur noch aus Arbeit und dem Dasein als Mutter zu bestehen. Sie kann sich nicht selbst verwirklichen und ihre Ehe kriselt. Auch ihr Job als Rettungsschwimmerin im Altenheim erfüllt Sabrina nicht vollkommen. Es will ihr einfach nicht gelingen, der alltäglichen Tretmühle zu entfliehen. Nur beim Schwimmen, wenn das schwerelose Gefühl der Tiefe sie umgibt, kann sie sich eine Weile fallen lassen und ihre Alltagssorgen für einen Moment vergessen.

Bei mir hat es einige Zeit gedauert, bis ich vollkommen in der Geschichte angekommen war. Die erste Hälfte des Buches lief ziemlich ruhig vor sich hin, manche Passagen leider auch etwas schleppend. In der zweiten Hälfte nimmt die Erzählung schließlich an Tempo zu. Es kommt Schwung in den Roman und endlich hat mich die Autorin mit ihrer Idee fesseln können.

Abwechselnd erlebt der Leser Geschehnisse aus Fergus‘ Vergangenheit, aber auch seiner Gegenwart im Pflegeheim, in denen er stets als Ich-Erzähler fungiert. Auch seine Tochter Sabrina übernimmt in vielen Kapiteln den Part der Erzählerin, wobei die jeweiligen Abschnitte der beiden durch die Worte „Murmelspiele“ oder „Badeordnung“ zu Beginn jedes neuen Kapitelns voneinander abgetrennt sind. So ist es stets einfach, die Passagen dem jeweiligen Hauptprotagonisten zuzuordnen. Besonders Fergus‘ Kapitel präsentieren sich dabei jedoch recht sprunghaft und wechseln ohne erkennbares Muster von der Gegenwart in die Vergangenheit und umgekehrt. Daraus entwickelt sich eine Dynamik, die wohl Fergus‘ eigenes Durcheinander nach seinem Schlaganfall widerspiegelt. Die Zeiten verschwimmen ineinander, Erinnerungen kommen und gehen. Wirklich passend, doch für den Leser auf Dauer etwas unübersichtlich.

Anfangs fiel es mir zudem schwer, mit den Charakteren wirklich warm zu werden. Denn Fergus macht es dem Leser in seinen Rückblicken nicht leicht, ihn als Person zu mögen, da er unumwunden zugibt, im Verlauf seines Lebens immer wieder gelogen und betrogen zu haben. Auch Sabrina scheint zunächst alles andere als zufrieden mit ihrem Leben. Sie ist gestresst und in der Tretmühle ihres Alltags gefangen. Erst zum Ende hin taut sie langsam etwas auf und findet wieder zu ihrem alten Selbst zurück, was sie dann schlagartig sympathischer werden lässt. Insgesamt hat mir der Roman aber ziemlich gut gefallen. Fergus‘ Lebensgeschichte ist aufwühlend und berührend zugleich, sodass ich Sabrina gerne auf den Spruen der Vergangenheit ihres Vaters begleitet habe. 

Cecelia Ahern zeigt mit ihrer Geschichte,  dass es auch im hohen Alter möglich ist, sein Leben noch selbst in die Hand zu nehmen. Denn letztlich steht und fällt es mit unseren eigenen Entscheidungen. Und es ist niemals zu spät, den richtigen Weg doch noch einzuschlagen. Es wird deutlich, wie wichtig es ist, sich selbst treu zu bleiben und seinen wahren Kern nicht vor den Menschen zu verstecken, die einem wirklich am Herzen liegen. 
Cecelia Ahern ist eine der erfolgreichsten Autorinnen der Welt. Sie wurde 1981 in Irland geboren und studierte Journalistik und Medienkommunikation in Dublin. Mit 21 Jahren schrieb sie ihren ersten Roman, der sie sofort international berühmt machte: "P.S. Ich liebe Dich", verfilmt mit Hilary Swank. Danach folgten Jahr für Jahr weitere weltweit veröffentlichte Bücher in Millionenauflage. Die Autorin wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, schreibt auch Theaterstücke und Drehbücher und konzipierte die TV-Serie "Samantha Who?" mit Christina Applegate sowie einen Zweiteiler für das ZDF. Auch ihr Roman "Für immer vielleicht" wurde fürs Kino verfilmt. Cecelia Ahern lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern im Norden von Dublin.


4 Kommentare:

  1. Huhu,

    von diesem Buch wusste ich bisher glaube ich noch gar nichts, aber ich habe bereits einige Bücher von Cecelia Ahern gelesen, die ich immer ganz gut fand.
    Das Cover spricht mich leider nicht so an, aber dafür die Story und auch deine Rezi, die wirklich gut klingt.
    Das kommt auch direkt mal auf meine Wunschliste :D
    Danke für die Rezi :)

    Liebe Grüße,
    Worttänzerin Alex

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    1. Hallo liebe Alex :)

      Ich habe bis auf "P.S. Ich liebe dich" und "Der Glasmurmelsammler" noch kein Buch der Autorin gelesen, aber "Flawed" steht auch noch auf meiner Wunschliste ;) Stimmt, das Cover ist nicht so der absolute Hingucker, aber wenn man die Geschichte kennt, finde ich es eigentlich ganz passend. Freut mich, dass dir meine Rezension gefällt und du das Buch direkt auf deine Wunschliste gesetzt hast!

      Liebe Grüße

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  2. Huhu :)
    also, das Cover ist in meinen Augen auch nicht ansprechend, daher habe ich bisher wohl auch nicht viel von der Autorin in die Hand genommen. Ich habe die "Perfekt Reihe" gehört und bin sehr begeistert :) Ich würde gerne etwas anderes von ihr lesen.... aber hier scheint die Protagonistin auch schon etwas älter oder kam das falsch rüber? Irgendwie kann ich nur mit jungen Menschen :)
    Liebe Grüße
    Romi

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    1. Hallo Romi :)

      Ich kenne bisher auch nur zwei Bücher der Autorin und "Flawed" wartet noch auf meinem SuB darauf, endlich gelesen zu werden. Also bin ich für Lesetipps wohl leider auch nicht die richtige Ansprechpartnerin. Die Protagonisten in "Der Glasmurmelsammler" sind tatsächlich schon etwas älter. Für mich war es deshalb auch etwas ungewohnt, aber ist eben auch kein Jugendbuch ;)

      Liebe Grüße

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