[Rezension] Das dunkle Herz des Waldes von Naomi Novik

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Originaltitel: Uprooted
Titel: Das dunkle Herz des Waldes
Autorin: Naomi Novik
Verlag: cbj
Erscheinungsdatum: 21. November 2016
ISBN-13: 978-3570172681
Preis: 17,99(Hardcover) und 13,99€ (eBook)
Seitenzahl: 576
Genre: Fantasy
Leseprobe: hier




Agnieszka lebt mit ihrer Familie in Dvernik, einem kleinen verschlafenen Dörfchen, das in einem malerischen Tal gelegen ist. Doch die Idylle ist trügerisch. Jenseits des Flusses, der das Tal durchfließt, liegt der dunkle Wald. Ein verderbtes und bösartiges Stück Land. Immer wieder zieht er Menschen in seinen Bann, die er anschließend mit seiner Bosheit infiziert. Er verdirbt die Ernte der Dorfbewohner und sorgt in seinem Schatten dafür, dass das Vieh von Krankheit dahingerafft wird.

Nur der Drache, ein mächtiger Zauberer, ist dazu in der Lage, den dunklen Wald in Schach zu halten. Doch der Preis für diese Sicherheit ist hoch. Alle 10 Jahre sucht sich der Zauberer ein junges Mädchen aus den Dörfern des Tals, das er zu sich in seinen Turm holt. Was mit den Mädchen geschieht, weiß niemand. Die Wahl fällt stets auf ein ganz besonderes Mädchen, das unter den anderen hervorsticht. Dieses Jahr sind sich alle sicher, dass sein Los auf Agnieszkas beste Freundin Kasia fallen wird, denn sie ist klug, schön und freundlich zu allen Menschen. Doch als der Tag der Auswahl gekommen ist, fällt die Wahl des Drachen nicht auf Kasia – sondern auf Agnieszka. 



Agnieszka:

Agnieszka ist die Tochter eines Holzfällers und dessen Frau. Sie hat drei ältere Brüder und ist als einzige Tochter der Augenstern ihrer Mutter. Immer wieder bringt sich Agnieszka durch ihre Unbedachtheit in gefährliche Situationen, besonders wenn sie sich wieder am Rande des dunklen Waldes aufhält. Ihre beste Freundin Kasia lebt nur drei Häuser entfernt und obwohl sich das gesamte Dorf darauf eingestellt hat, dass Kasia eines Tages vom Drachen auserwählt wird, sind die beiden doch unzertrennlich. Besonders als der Tag der Auswahl näher rückt, weicht Agnieszka ihrer Freundin nicht von der Seite.

Agnieszka hat mir als Hauptprotagonistin mit ihrer tollpatschigen Art sehr gut gefallen. Sie scheint wirklich nichts anfassen zu können, ohne dass dabei etwas zu Bruch geht, was sie mir auf Anhieb sehr sympathisch gemacht hat. Zudem setzt sie sich stets für ihre Freundin Kasia ein. Agnieszka geht mit ihr durch dick und dünn und steht dabei in allen Situationen unerschütterlich hinter Kasia. Diese Treue war ein weiterer Punkt, der mir an ihrer Charaktergestaltung wirklich gut gefallen hat. Während ihrer Zeit im Turm kommt Agnieszka dem Drachen immer näher und die beiden bauen nach und nach eine Beziehung zueinander auf. Sie sind voneinander fasziniert und können sich ihrer Gefühle nicht erwehren, auch wenn ein Altersunterschied von vielen Jahrzehnten die beiden voneinander trennt.

Im Turm des Drachen erkennt Agnieszka zudem, dass sie selbst auch über magische Fähigkeiten verfügt. Für meinen Geschmack erlernt sie die Beherrschung ihrer Gabe allerdings zu schnell. Es dauert nicht lange, da übertrifft sie selbst ihren Lehrmeister und vermag Dinge zu tun, die er selbst nicht zu Stande bringt. Immer wieder testet sie dabei ihre eigenen Grenzen aus. Agnieszka und der Drache wachsen aneinander und bewirken gemeinsam Dinge, die ihnen alleine niemals geglückt wären. Sie lernen voneinander und stellen sich schließlich der größten Bedrohung im ganzen Tal – dem dunklen Wald.

Obwohl die märchenhafte Erzählung durchaus Potential hat, so gibt es dennoch Passagen, die sich eher schleppend lesen lassen und mich nicht vollkommen fesseln konnten, was vor allem auch durch den langatmigen und ausführlichen Erzählstil der Autorin herrührt. Auch wenn es durch die vielen Beschreibungen wirklich toll gelingt, sich Agnieszkas geliebtes Tal vor Augen zu führen, so ziehen sich genau diese Stellen doch meist etwas zu sehr in die Länge.

Auch der dunkle Wald – das namensgebende Herzstück des Romans – spielt vor allem zu Beginn nur eine Nebenrolle, erst zum Ende hin wird der Ursprung seiner Boshaftigkeit offenbart. Hier ist es der Autorin gelungen, mich mit ihrer Idee zu verzaubern und zu überraschen. Die Handlung ist in sich schlüssig und lässt sich stets gut nachvollziehen. Naomi Novik nimmt dabei kein Blatt vor den Mund und scheut sich auch nicht, die bösartigen und grausamen Taten des Waldes detailliert zu beschreiben. 

„Das dunkle Herz des Waldes“ ist eine märchenhafte Geschichte in der das junge Mädchen Agnieszka seinen Weg findet und langsam erwachsen wird. Naomi Novik wagt sich weitab von altbekannten Erzählungen und schafft es durch innovative, interessante Elemente eine vollkommen neue Geschichte zu entwerfen, die mich abgesehen von einigen Längen in der Handlung durchaus überzeugen konnte.

Naomi Novik wurde 1973 in New York geboren. Sie wuchs mit polnischen Märchen ebenso auf wie mit Geschichten um die Baba Yaga und den Werken von J.R.R. Tolkien. Sie studierte englische Literatur an der Brown University und graduierte in Informatik an der Columbia University. Sie war unter anderem an der Entwicklung und dem Design des Computerspiels »Neverwinter Nights: Schatten von Undernzit« beteiligt, das auch in Deutschland viele Fans gewinnen konnte. Doch nachdem dieses Projekt in Edmonton, Canada, abgeschlossen war, wurde ihr klar, dass sie noch wesentlich lieber schrieb, als dass sie programmierte. Sie kehrte zurück nach New York und machte sich daran, ihren ersten Roman zu schreiben, der bei Blanvalet unter dem Titel »Die Feuerreiter Seiner Majestät: Drachenbrut« erschienen ist. Mit Captain William Laurence und dessen Drachen Temeraire eroberte sie nicht nur die Herzen ihrer Leser und Kritiker. Auch bereits bestehende Fantasy-Größen wie Terry Brooks, David Weber und Stephen King hat sie zu wahren Lobeshymnen hingerissen. Peter Jackson, der Regisseur von »Der Herr der Ringe«, sagte über Noviks ersten Roman: »Das ist der Stoff, aus dem meine Kinoträume sind!« und sicherte sich sofort die Filmrechte. Im August 2007 erschien ihr zweiter Roman um Temeraire und William Laurence. Weitere Bände sind in Vorbereitung. Naomi Novik lebt heute mit ihrem Mann und sechs Computern in New York.



Vielen Dank an cbj für die Bereitstellung
dieses Rezensionsexemplars!

6 Kommentare:

  1. Hi!

    Dir scheint es ja sehr gut gefallen zu haben :)
    Ich verfolge ein bisschen die Rezis zu dem Buch, weil es mich so gar nicht begeistern konnte - weder die Protas noch der Erzählstil, fand das insgesamt sehr langweilig.

    Und im Gegenzug fand ich Frostmädchen total klasse, und das fanden ja die meisten total öde *lach* Witzig, wie unterschiedlich die Meinungen ausfallen :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallo Aleshanee :)

      Mir hat die Idee durchaus gut gefallen, nur die Umsetzung wäre für mich noch verbesserungswürdig gewesen.

      Beim "Frostmädchen" steht meine Rezension noch aus, aber für eine Top-Bewertung hat es bei diesem Buch auch nicht gereicht ;)

      Liebe Grüße

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  2. Hallo liebe Lisa!

    Wie toll, dass du das Büchlein schon gelesen hast! Ich schwänzle schon seit dem Erscheinen drum herum. :3 Deine Beschreibung der Protagoistin hat sie mir auch gleich unheimlich sympatisch gemacht. Auf die innovativen neuen Ideen bin ich schon sehr gespannt, deshalb bleibt das Buch mit Sicherheit ein Fixstarter auf meiner Wunschliste. :) Das englische Cover in weiß-blau gefällt mir übrigens richtig gut. Vielleicht wage ich mich im Original an die Geschichte.

    Liebste Grüße
    Nina von BookBlossom ♥♥♥

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    1. Huhu Nina :)

      Die Idee und das Setting der Geschichte sind wirklich toll, nur die Umsetzung hätte an einigen Stellen etwas besser sein können ;)

      Das englische Cover finde ich auch wirklich toll, oder besser gesagt eigentlich beide englischen Cover, weil sie beide so wunderschön märchenhaft aussehen :) Ich bin gespannt, wie dir die Geschichte gefällt!

      Liebe Grüße

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  3. Hey, eine sehr schöne Rezension!
    Von mir hat das Buch ebenfalls 4 Sterne erhalten, da mir das Buch einfach lang vorkam, obwohl wirklich ständig was passiert ist. Das Agnieszka ihre Magie ein bisschen zu schnell erlent, fand ich auch. Ob sie nun sowas wie ein Genie in dem Bereich ist oder nicht, sei mal so dahingestellt, aber auch ich hatte mir mehr Schwierigkeiten ihrerseits gewünscht.

    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Hey Andrea!

      Danke :) Ja, mir kam die Geschichte auch etwas langatmig vor, da hätte man an einigen Stellen sicher etwas kürzen können. Und dass Agnieszka von Anfang an ein Supertalend in Magie ist, hat mich auch etwas gestört. Das hat der Geschichte einfach ein wenig die "Glaubhaftigkeit" genommen.

      Liebe Grüße

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