[Rezension] Willkommen in Night Vale von Joseph Fink und Jeffrey Cranor

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Originaltitel: Welcome to Night Vale
Titel: Willkommen in Night Vale
Autoren: Joseph Fink und Jeffrey Cranor
Verlag: Klett Cotta
Erscheinungsdatum: 19. März 2016
ISBN-13: 978-3608961379
Preis: 19,95€ (Hardcover) und 15,99€ (eBook)
Seitenzahl: 378
Genre: Fantasy, Science Fiction
Leseprobe: hier




Eigentlich könnte man meinen, Night Vale wäre wie jede andere Stadt mitten in der Wüste, doch sie hat ihren ganz eigenen - nennen wir es „Charme“. In Night Vale ist es so wie nirgends anders auf der Welt. Es ist verdreht, skurril und absolut schräg. Es gibt ein Diner, das berühmt ist für seine unsichtbaren Pasteten, einen Radiosender, dessen Praktikantinnen keine besonders hohe Lebenserwartung haben und eine Geheimpolizei, die eigentlich gar nicht so geheim ist. Inmitten dieses Wirrwarrs leitet Jackie Fiero ihr Pfandhaus. Und es könnte ein ganz normaler Tag sein, wäre da nicht dieser Mann mit dem Hirschlederkoffer, der Jackie unvermittelt ein Stück Papier in die Hand gedrückt hat. Darauf stehen lediglich zwei Wörter: „King City“. Einmal in ihrer Hand, gelingt es Jackie nicht, das Papier loszuwerden. Egal, auf welche Weise sie es vernichtet - schon wenige Sekunden später ist es wieder unversehrt in ihrer Hand. Sie beschließt, dem Rätsel auf die Spur zu gehen. Jackie macht sich auf den Weg nach King City, doch dorthin zu gelangen ist alles andere als einfach.


Jackie Fiero:

Seit vielen Jahren ist Jackie schon 19 Jahre alt und seit vielen Jahren schon leitet sie das Pfandhaus von Night Vale. Sie hat schon oft darüber nachgedacht, endlich älter zu werden, hat den Gedanken aus fehlender Notwendigkeit aber schon ebenso oft wieder verworfen. Ihr ganzes Leben hat sie schon in Night Vale verbracht und sie liebt ihren Alltag, ihren täglichen Ablauf, ihre Routine, die niemals gestört wird. Doch als ein Fremder ihr Pfandhaus betritt, gerät Jackies Leben aus dem Tritt und sie muss erst ein Geheimnis lüften, um zu ihrem normalen Tagesrhythmus zurückzufinden.

Diane Crayton:

Auch Diane lebt schon ihr ganzes Leben in Night Vale. Sie ist Mutter eines fünfzehnjährigen Sohnes, der seine Gestalt nach Belieben ändern kann, was Dianes Leben manchmal ganz schön kompliziert macht. Vom Vater lebt sie schon seit Joshs Geburt getrennt und seinen Sohn hat Troy auch niemals kennengelernt. Doch die Umstände ändern sich, als Joshs Erzeuger nach Nigtht Vale zurückkehrt. Er scheint überall zu sein und Diane will ihn zur Rede stellen, doch Troy entzieht sich ihr immer wieder. Auch Josh beginnt, Nachforschungen anzustellen, denn er hat sich fest vorgenommen, seinen Vater endlich kennenzulernen.

Eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben, erscheint nahezu unmöglich. Denn es ist anders als jedes Buch, das ich zuvor gelesen habe. Von der ersten Seite an ist die Geschichte aberwitzig und  vollkommen schräg. Es dauert einige Kapitel, bis man sich an die skurrile Kulisse von Night Vale gewöhnt hat. Obwohl es seit 2012 schon ein erfolgreiches Podcast zu Night Vale von den Autoren gibt, hatte ich vor diesem Buch noch nichts von der außergewöhnlichen Stadt mitten in der Wüste gehört. Und den Autoren ist es auf jeden Fall gelungen, mich von ihrer skurrilen Idee zu begeistern.  Es mag zwar massenhaft Anspielungen auf das Podcast geben, die ich nicht verstanden habe, aber „Willkommen in Night Vale“ kann durchaus auch Neulinge von sich begeistern. 

Bevor man sich selbst aber zur wackeren Leserschaft zählt, empfiehlt es sich dringend vor dem Buchkauf  die Leseprobe durchzugehen und sich mit dem außergewöhnlichen Schreibstil vertraut zu machen. Ich für meinen Teil bin sehr unbedacht und ohne Vorwissen an die Erzählung herangegangen und bei mir ist das Experiment geglückt. Der Zauber hat sich entfaltet, aber es hätte auch anders ausgehen können, wie andere Rezensionen auf Amazon belegen. 

Was genau ist an dem Buch nun so skurril? Nun, es stellt so ziemlich alles in Frage, an was man selbst glaubt. Jedes noch so kleine Detail aus dem Alltag erscheint aufs aberwitzigste verdreht und auf den Kopf gestellt. Alles was man kennt und für ganz normal hält ist in Night Vale eben anders. Nehmen wir als Beispiel nur die Bibliotheken. Im wahren Leben ein Traum für alle Bücherliebhaber und ein Ort zum stundenlangen Stöbern. In Night Vale aber sind Bibliotheken der gefährlichste Ort überhaupt, da dort die Bibliothekare ihr Unwesen treiben und nur wenige Menschen ein Zusammentreffen mit ihnen überleben und die Bibliothek mit der vollständigen Anzahl ihrer Gliedmaßen wieder verlassen.

Neben diesen inhaltlichen Absurditäten sind auch Sprache und Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig. Die Autoren haben ein Talent dafür, eine einfache Tatsache über einen ganzen Absatz aufzubauschen und ihn mit doppelten, dreifachen oder gar vierfachen Verneinungen auszuschmücken. Man hat zwar eine Seite gelesen, aber das Gelesene hätte auch in einem Satz gesagt werden können. Was für Night Vales Verhältnisse aber überaus langweilig und unpassend gewesen wäre. Der längste Satz erstreckt sich über zwei ganze Seite, voller Infos und ausschweifender Beschreibungen. Um zu einem Ende zu kommen, kann ich das Buch auf jeden Fall empfehlen (vorher Leseprobe nicht vergessen!). Mich hat es positiv überrascht. Zu Beginn hatte ich zwar ein paar Eingewöhnungsprobleme, aber zum Ende hin konnte ich das Buch nur noch schwer aus der Hand legen! Eine seltsame Geschichte, bizarr und komplex, aber doch sehr packend!


Joseph Fink und Jeffrey Cranor, die Autoren des Kult-Podcasts „Welcome to Night Vale“ und der gleichnamigen Live-Tour, arbeiten schon seit Jahren erfolgreich zusammen. Fink, der Erfinder der Story, gründete bereits in jungen Jahren einen Kleinverlag. Cranor, der Theatermann, legte ihm die Idee zu einem Stück über eine Zeitreise vor – sie erarbeiteten es gemeinsam und führten die Zwei-Mann-Show 2011 (im New Yorker East Village) auf. Night Vale, Finks neues Projekt, reifte in beider Zusammenarbeit heran, und die erste von inzwischen über 40 Folgen „Welcome to Night Vale“  entstand. Joseph Fink stammt ursprünglich aus Kalifornien, lebt heute jedoch woanders. Jeffrey Cranor lebt im Staat New York.


5 Kommentare:

  1. *haben will* *haben will* Und lesen will ich es auch ;)

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    1. Scheinbar kennst du das Podcast im Gegensatz zu mir schon xD Oder interessiert dich das Buch einfach so?

      Liebe Grüße

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    2. Nein, leider kenne ich das Podcast nicht, aber ich liebe solche aussergewöhnlichen Bücher einfach xD

      Viele Grüsse
      Jari

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  2. Ich freu mich immer total über positive Rezensionen zu Night Vale :D Ich verfolge den Podcast hin und wieder seit 2012 und bin somit quasi von Anfang an dabei gewesen. Das Buch war also ein absolutes Muss für mich und es war genau das, was ich erwartet habe.

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    1. Hallo Nicole!

      Ah cool, dass du das Podcast schon kanntest, bevor du das Buch gelesen hast. Ich hab ein bisschen das Gefühl, dass ich ein paar Anspielungen nicht ganz verstanden habe, so ganz ohne Vorkenntnisse xD Aber das Buch hat mir insgesamt wirklich gut gefallen :)

      Liebe Grüße

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