[Rezension] Die Erfindung der Flügel von Sue Monk Kidd

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Originaltitel: The Invention of Wings
Titel: Die Erfindung der Flügel
Autor: Sue Monk Kidd
Verlag: btb Verlag
Erscheinungsdatum: 19. Januar 2015
ISBN-13: 978-3442754854
Preis: 19,99€ (Hardcover) und 15,99€ (eBook)
Seitenzahl: 496
Leseprobe: hier

Zu ihrem elften Geburtstag bekommt Sarah von ihren Eltern das Sklavenmädchen Hetty/Handful geschenkt. Diese soll ihr als persönliche Sklavin jeden Wunsch von den Augen ablesen und Sarah glücklich machen. Doch Sarah denkt nicht daran, sich auf dieses Arrangement einzulassen und strebt danach, Handful so bald wie möglich die Freiheit zu schenken. Als dieser Plan jedoch vereitelt wird, entwickelt sich zwischen den beiden eine ungewöhnliche Beziehung. Sarah gibt ihr Möglichstes, um das Leben ihrer Sklavin angenehm zu gestalten und schenkt ihr zu Beginn geistige Freiheit, als sie ihr heimlich das Lesen beibringt. Obwohl die beiden eine zögerliche Zweckfreundschaft verbindet, lebt dennoch jede von ihnen ihr eigenes Leben. Und dennoch scheint ihr Schicksal untrennbar miteinander verknüpft zu sein.
 
Sue Monk Kidd wurde am 12. August 1948 in Sylvester, Georgia geboren. Nach ihrem Schulabschluss studierte sie zunächst Gesundheits- und Krankenpflege und war anschließend auch in diesem Bereich tätig. Allerdings stellte sie bald fest, dass ihre Leidenschaft viel mehr der Schriftstellerei gehörte und so absolvierte sie einige Kurse im kreativen Schreiben an der Emory University und am Anderson College. Bekannt wurde Kidd vor allem durch das Buch "The Secret Life of Bees" ("Die Bienenhüterin"), das wenig später - im Jahr 2008 - verfilmt wurde. Dieser Roman stand nicht nur mehr als zwei Jahre auf der New York Times Bestseller-Liste, sondern wurde auch in insgesamt 36 Sprachen übersetzt und mehr als acht Millionen mal weltweit verkauft. Neben fiktionalen Werken, schreibt die Autorin auch spirituelle Essays und Meditationen. Heute lebt Sue Monk Kidd mit ihrem Mann in Florida.

Hetty/Handful Grimké:

Ihr gesamtes Leben dient Hetty der Familie Grimké nun schon als Sklavin. Ihr ist nur ihre Mauma geblieben, ihr Vater ist schon vor Jahren auf den Feldern umgekommen, ohne dass Handful ihn jemals hat kennenlernen können. Wie ihre Mutter ist auch Getty eine flinke Näherin und für ihre Besitzer aus diesem Grund unverzichtbar. Bald schon kann auch ihre Mauma nicht mehr an Handfuls Geschick heranreichen, so kunstvolle Kreationen zaubert sie aus den Stoffen. Obwohl sich Getty gegenüber ihrer Herrin stets folgsam verhält, brodelt es in ihrem Inneren. Ihr Wille ist ungebrochen und sie lässt keine Gelegenheit aus, den Grimkés ein kleines bisschen Ärger zu machen.


Gebt acht, denn ihr könnt zweifach versklavt werden, einmal mit eurem Körper, und einmal mit eurem Geist.
 (Die Erfindung der Flügel von Sue Monk Kidd, Zitat Seite 237)


Sarah Grimké:

Als wohlhabende Tochter eines Plantagenbesitzers ist Sarah ein angenehmes Leben gewöhnt. Sie ist umgeben von Sklaven, wenngleich sie die Sklaverei missbilligt. Ihr Vater ist der oberste Richter am Gericht von South Carolina und auch Sarahs Brüder haben ihr Elternhaus zum Jurastudium verlassen. Schon von klein auf hat auch Sarah ihre Nase immer wieder in die Bücher ihres Vaters gesteckt und erfreut diesen immer wieder mit unkonventionellen Argumentationen. Auch wenn ihre Ambitionen vergeblich sind, denn ihre Mutter würde niemals zulassen, dass Sarah in die Fußstapfen ihres Vaters tritt. Die erste Frau, die einer Arbeit nachgeht, noch dazu ihre Tochter, undenkbar.

Zunächst bin ich vor der Lektüre ehrlich gesagt sehr skeptisch gewesen, denn die Autorin behandelt mit der Sklaverei ein geschichtsträchtiges Thema, sodass ich schon staubtrockene Lesestunden vor mir wähnte. Doch Sue Monk Kidd hat mich wahrlich überrascht. Ihre Erzählung ist absolut fesselnd und es gelingt ihr, historische Daten ansprechend zu präsentieren. Das Schicksal der beiden Hauptprotagonistinnen scheint auf untrennbare Weise miteinander verknüpft.

Dabei stellt sich vor allem Sarah gegen alle Regeln, als sie als Tochter eines Plantagenbesitzers für die Rechte der Sklaven eintritt. Es gelingt der Autorin wunderbar, diese ambivalente Beziehung zwischen Sarah und Handful zu Papier zu bringen. Die beiden verbindet etwas ganz Besonderes, auch wenn beide niemals so weit gehen würden, ihr Verhältnis als rein freundschaftlich anzuerkennen. Es ist vielmehr eine Konstellation, die auf dem Willen von Sarah s Eltern und deren Durchsetzungsvermögen fußt. Immer wieder gibt es Höhen und Tiefen und der Autorin gelingt es, wirklich alle Nuancen einzufangen. Dabei wird abwechselnd aus Sarahs oder Handfuls Sicht erzählt, wohingegen Sarahs Familie als facettenreiche Nebenfiguren auftreten. Besonders ihre Schwester Angelina steht Sarah in den Zeiten zur Seite, in denen sie Handful zurücklassen muss. Auch sie unterstützt die rebellischen Ansichten ihrer Schwester und gemeinsam wirbeln die beiden viel Staub auf. Im höheren Alter treiben sie sogar die Bewegung für die Rechte der Frauen voran und setzen sich ein, wo auch immer es ihnen möglich ist. Handful hingegen hält mit ihren Ansichten hinter dem Berg, um keinen Unwillen zu erregen. Ihre Rebellion findet im Stillen statt, durch kleine Gesten, die ihren unbeugsamen Willen verdeutlichen.

Mit ihrem Roman überstreicht die Autorin eine große Zeitspanne, die beinahe das gesamte Leben der Hauptprotagonistinnen umfasst. Dadurch wird deutlich, wie sich die beiden entwickeln und jede von ihnen auf ihre Weise versucht, ihrem Leben einen tieferen Sinn zu geben. Auch sprachlich gesehen hat mich der Roman überzeugt. Die Formulierungen sind modern, sodass sich die Geschichte flüssig lesen lässt. In Gesprächen ist der Slang der Sklaven wiedergegeben, sodass eine authentische Atmosphäre entsteht. Auch vor brutalen Beschreibungen der Misshandlungen der Sklaven durch ihre Besitzer schreckt die Autorin nicht zurück, sodass einige Passagen mitunter sehr beklemmend wirken.

Insgesamt gesehen konnte mich Sue Monk Kidd mit dieser mitreißenden Erzählung stundenlang fesseln. Es wird sicherlich nicht das letzte Buch sein, das ich von dieser Autorin lese. Deshalb vergebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung an jeden weiter, der dazu bereit ist, sich auf eine schwere Epoche der amerikanischen Geschichte einzulassen.


  • (2006) Schmetterlingszeit 
  • (2008) Die Bienenhüterin
  • (2010) Die Meerfrau 
 


Liebe Grüße

4 Kommentare:

  1. Wirklich schöne Rezension, für mich gehörte dieses Buch zu den Highlights im letzten Jahr, ich fand es unheimlich kraftvoll und hab es unheimlich genossen, auch wenn es teils echt schwer für mich war all das was passiert zu verkraften.
    Freue mich aber immer wieder davon zu lesen, wenn es anderen scheinbar genauso gefällt wie mir. :)

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    1. Vielen lieben Dank ღ

      Mir hat das Buch auch wirklich gut gefallen, obwohl es für mich eher ein Genre-Ausflug war ;)

      Liebe Grüße

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  2. Guten Abend,
    Danke für deinen netten Kommentar.
    Und nun bin ich hier und was sehe ich ... ich kannte die Autorin noch nicht. Und jetzt ... noch mehr Bücher auf der Wunschliste. Deine Rezi ist sehr schön geschrieben. Nun bin ich neugierig.
    Liebe Grüße Karlsruhe n

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    1. Hallo Karin!

      Das freut mich, wenn ich dich mit meiner Rezension neugierig gemacht habe. Auch wenn es mir Leid tut, dass ich deine Wunschliste dadurch noch ein paar Bücher erweitert habe xD

      Liebe Grüße

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